Der heilige Narr – Jesu Weg im Zeitalter des Kollaps
von Norbert Prinz von Norbert Prinz
Gastbeitrag von Erhard Maria Klein
Die Megamaschine1 scheint auf einem unaufhaltsamen Siegeszug zu sein. Elektrizität, Digitalität und nun künstliche Intelligenz treiben eine exponentielle Beschleunigung voran. Ihr globales Wirtschaftssystem antizipiert alles, auch jede Gegenbewegung. Alles wird vermarktet und zu einem Produkt. Es gibt immer weniger Freiräume und wir können uns dem System letztlich nicht entziehen, wenn wir irgendwie überleben wollen. Wir brauchen Geld, um unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, dafür Arbeit und mittlerweile auch ein Smartphone. Kleine Schritte der Verweigerung oder alternative Lebensweisen halten den großen Trend nicht auf. Die „shifting baseline“ führt dazu, dass das, was vor einer Generation noch undenkbar war, mittlerweile als unvermeidlich akzeptiert wird.
Irgendwann wird die Megamaschine an ihrem Erfolg ersticken, denn sie lebt davon, alle Ressourcen und alles Leben dieses Planeten in Müll zu verwandeln. Sie ist auf Wachstum angewiesen. Auf unserem begrenzten Planeten2 wird irgendwann der Kipppunkt erreicht. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir nun in diese chaotische Phase der Erschöpfung eintreten. Manche nennen das „Kollaps“. Das ist keine gute Nachricht. Uns erwartet ein Zeitalter, in dem die Maschine und ihre Profiteure ums Überleben kämpfen, immer mehr Menschen aus dem System ausgesondert werden und sich der Wettbewerb um Ressourcen und die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Schöpfung weiter verschärfen. Ich gehe davon aus, dass sich dadurch Handlungsspielräume weiter verengen und Konflikte, wirtschaftliche Zwänge und Not zunehmen werden. Das Erlangen von Macht und die Durchsetzung der eigenen Interessen mittels Zwang und Gewalt wird das Mittel der Wahl sein. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und gehören bisher gemeinsam mit unseren „westlichen Partnern“ zu den Profiteuren des Systems. Der Kampf um Vorherrschaft in der Welt und den Zugriff auf knappe Ressourcen wird daher auch in unserem Namen und Interesse geführt: in deinem und meinem.
Walter Wink nennt dies den „Mythos der erlösenden Gewalt“3. Denn natürlich sind wir die Guten und müssen uns gegen die Bösen verteidigen. Wie, wenn nicht dadurch, dass wir „verteidigungsbereit“ werden und aufrüsten, sollen wir uns in zukünftigen Konflikten um Rohstoffe und Lebensraum vor Aggressoren und Klimaflüchtlingen schützen? Wir erleben gerade im Zeitraffer, wie dieses Narrativ innerhalb weniger Jahre bei uns die Oberhand gewonnen hat: die sogenannte „Zeitenwende“.
Aber gibt es angesichts dieser düsteren Prognose überhaupt noch eine Möglichkeit, diese Entwicklung aufzuhalten oder gar umzukehren? Können wir noch, oder wieder, an den barmherzigen Schöpfergott glauben, dessen Reich der Gerechtigkeit und des Friedens schon angebrochen ist? Ich glaube, dass Jesus uns den Weg gezeigt und vorgelebt hat. Ich glaube, dass wir, wenn wir Jesus beim Wort nehmen, das erleben werden, was auch die ersten Christen erfahren haben: dass das Reich Gottes schon heute und hier Gestalt gewinnen kann, trotz aller Widerstände.
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