Hoffnungsfetischismus, Hypernormalisation und warum die Klimapsychologie keine Antworten findet
von Norbert Prinz von Norbert Prinz
Im Bezug auf existentielle Zukunftsfragen wiederholt sich in unserer Gesellschaft immer wieder folgendes Szenario: Es wird gebetsmühlenartig vom besten Fall ausgegangen, kritische Menschen werden als Alarmisten, Pessimisten oder Apokalyptiker diffamiert und am Ende sind alle schockiert, unvorbereitet und handlungsunfähig, wenn dann doch der Worst-Case eintritt. Das Vertrauen gegenüber Entscheidungsträger*innen und demokratischen Strukturen nimmt immer weiter ab. Klima, Faschisierung, AfD-Wahlergebnisse, Trump, Ukraine-Krieg, Gaza …. Immer das selbe Muster.
Warum hält sich dieser Hoffnungsfetischismus so hartnäckig? „Wer eine Wahrheit nicht hören will, fühlt sie schon.“ (miku). Insofern verdrängen wir nicht, weil wir noch hoffen, sondern weil wir die Hoffnung längst aufgegeben haben. Diese Simulation der Normalität bezeichnete der Anthropologe Alexei Yurchak im Zusammenhang mit der Situation der späten Sowjetunion als „Hypernormalisation“. Insofern ist dieser Zustand ein Symptom kollabierender Gesellschaften und nicht mehr auflösbar. Demzufolge laufen auch alle psychologischen Theorien ins Leere, die versuchen, diesen Zustand individualpsychologisch zu erklären und sind zwangsläufig nur noch Teil kapitalistischer Verwertungslogik.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben